Heimstudio für elektronische Musikproduktion

0.) Kurze Einleitung:

Wenn du nicht genug Geld für alle Anschaffungen auf einmal hast, beginne mit einer Grundausstattung. Auf die Weise hast du schon Erfahrung gesammelt und kennst dich aus, wenn du deine Ausrüstung komplett hast.

Grundausstattung ist ein Computer eine DAW und Monitorlautsprecher. Es müssen nicht gleich die guten Produkte sein - man hat ja auch nicht mit highend Schuhen das Laufen gelernt.

Dein System ist immer nur so gut, wie das schwächste Glied in der Kette.

Wenn du also neue Geräte kaufen willst, überlege gut welche Anschaffung am seltensten ausgetauscht werden. Ist es die Soundkarte, das Mikro, die Software oder der Computer?


1.) Computer:

Es sollte sich bei einem Rechner auf jedenfall um mindestens einen i5 besser um einen i7 Prozessor handeln. MAC laufen sehr stabil und haben sich deswegen auch in der Musikproduktion ihren Platz erarbeitet. Natürlich tut es auch ein gut ausgestatteter PC. Wichtig ist je weniger Software neben der Soundproduktionssoftware läuft desto besser und stabiler wird das System sein bzw. bleiben. Beim Hauptspeicher sollten mindestens 6 MB besser noch 8 MB oder mehr vorhanden sein (natürlich in Verbindung mit einen 64 Bit Betriebssystem). 
Da die Entwicklung von Computern nicht mehr die Geschwindigkeit wie in den 90ern hat, würde ich eher mehr Geld in die Hand nehmen.
1.1) Basic: PC mit i5 4 GB Speicher
1.2) Advanced: PC mit i7 und 8GB Speicher oder Mac mit i7 und 8GB Speicher

2.3) Expert: Mac mit i7 und 16GB Speicher und SSD


2.) DAW:

Um den Computer zu einer DAW (Digital Audio Workstation zu machen), benötigen wir nun ein DAW Software. Die bekanntesten sind wohl:

-Apple Logic

-Steinberg Cubase

-Ableton Live

-FL Studio

-Pro Tools

Zu DAW gibt es in diversen Foren viel Diskussion über welche die Beste ist. Die Frage lässt sich ganz leicht beantworten. Jede DAW hat auf der einen Seite etwas mehr und an andere Stelle etwas weniger. Man sollte sich drei Fragen beantworten.

Mit welcher DAW wird in meinem Freundeskreis gearbeitet?

Welche DAW spricht mich persönlich am meisten an (Musikproduktion mit einer DAW soll Freude bereiten und da muss das Produkt zusagen)?

64 Bit ode 32 Bit DAW?

Ich habe erst mit FL Studio gearbeitet, dann mit Ableton und dann auf Logic gewechselt. Da ich FL Studio kannte war es am Anfang besser als Ableton oder Logic. Heute kenne ich alle drei, und alle drei sind gleich gut (jede auf ihre Art, was viel mit persönlicher Sicht zu tun hat - ich arbeite z.B.: mit Word am PC und Pages am Mac und beide haben ihre Vor- und Nachteile, es gibt jedoch kein Produkt welches die Vorteile beider Produkte verbindet). Jeder wird also immer seine DAW am besten finden (so wie MAC User MACs und PC User PCs besser finden).

Sollte du einen leistungsstarken Rechner (viel Speicher) mit einem 64 Bit Betriebssystem zugelegt haben, dann empfehle ich eine 64 Bit Installation. Nachteil bei 64 Bit ist, dass noch nicht alle AU (VST) als 64 Bit verfügbar sind und vielleicht als 32 Bit betrieben werden müssen. Das ist aber erst für Advanced oder Expert notwendig da z.B.: Logic oder Ableton bereits im Paket alles mit on Board haben, was für eine Musikproduktion notwendig ist. Ich treffe immer wieder andere Musikproduzenten, welche mir dann immer vorführen wie viele tolle AU (VST) sie inzwischen haben. Leider haben sie weder die Basis AU (VST) verstanden noch verstehen sie die zusätzlich gekauften. Aber oft gibt es bei teuren Plugins so viele Presets, sodass man es nicht verstehen muss, sondern nur durch die 5.000 Presets sich durchhören muss und dann sich für eines entscheiden muss. Viele Musikproduzenten haben weder Musik studiert, noch eine Instrument gelernt, geschweige den eine Audioingenieur Ausbildung abgeschlossen. Das ist für die Musikproduktion nicht zwingend notwendig. Trotzdem hilft es die Grundsätze der Musiktheorie zu verstehen. Viele Sounds sind durch unkonventionelle Wege entstanden, welche Theoretiker nie so gemacht hätten (nehmen wir bsp. Compression auf Master und gleichzeitig auf einzelnen Kanälen oder zwei Kompressoren hintereinander).    


3.) Audiointerface:

Audiointerfaces sind zum aufnehmen von Instrumenten und ggf. für externe Synthesizer. Heute wird in der elektronischen Musik viel mit dem Rechner produziert (eine Ausnahme ist der Gesang und es gibt immer noch einige, welche auf Hardware Synthesizer schwören, welche ihre Berechtigung haben aber inzwischen Softwaresynths sehr gut sind und für Basic und Advanced meist ausreichen). Viel wichtiger ist das Audiointerface für das anschliessen der Monitorlautsprecher. Greift man zu USB Monitorlautsprecher ist erstmal kein Audiointerface notwendig.  

3.1) Basic:
-Antive Instrument Komplete Audio 6
-Steinberg UR22

3.2) Advanced

-RME Fireface UC

3.3) Expert

-Prism Sound Titan


4.) Monitorlautsprecher / Studiokopfhörer:

Sollte Du einen Mac besitzen, hast Du bereits eine relativ gute Soundkarte für Studioboxen. Natürlich sollte irgendwann eine externes Audiointerface angeschafft werden - aber zum Start reicht es erst mal aus.

4.1.) Monitorlautsprecher Basic:

-M Audio AV 40

4.2) Monitorlautsprecher Advanced/Expert:

-Nubert NuPro A100 - A300 (USB - kein Audiointerface notwendig)

4.3) Monitorlautsprecher Expert:

-DynAudio Air15 


5.) Midikeyboard:

Hier gibt es eigentlich nicht richtig oder falsch. M-Audio und Korg habe ich selber im Einsatz und bin zufrieden.


6.) Mikrophone:

Ein Gebiet für sich genauso wie die Preisrange der Geräte. Es gibt Dynamische Mics, Kondensatoren Mich und Bändchenmics. Die wenigsten Heimstudios haben ihren Raum auf die Bedürfnisse einer guten Aufnahme ausgerichtet. Daher ist oft der Aufnahmeraum sehr deutlich wahrzunehmen. Wer also das Problem hat, dass er zu viel (meist nicht erwünschten) Raumanteil beim Vocal Recording hat, der sollte eher zu einem dynamischen Mikrofon greifen. Diese nehmen in der Regel wesentlich weniger Raum und Nebengeräusche auf.
Dynamische Mic:

Das dynamische Mikrofon macht sich das Prinzip der elektromagnetischen Induktion zunutze und ist durch seine Bauart bestens für die Aufnahme von lauten Signalen geeignet. Da Mic arbeitet mit der Geschwindigkeit der Membran. Daher benötigt es laute Geräusche und leisere Signale werden weniger detailliert oder gar nicht aufgenommen. Ein dynamisches Mikrofon wir meist bei Livekonzerten eingesetzt. Es ist aber auch gut für Aufnahmen im Homestudio zu verwenden.

Kondensatoren Mic:

Das Kondensatormikrofon misst die Membranauslenkung. Durch die Bewegung der Membran ändert sich die Kapazität des Kondensators. Daher ist meist eine externe Spannungsquelle wie ein Mikrofonvorverstärker erforderlich. Preamps und Mischpulte bieten hierzu eine 48V Spannungsquelle (Phantomspeisung) an. Weitere Möglichkeiten zur Spannungsversorgung können auch eine Batterie sein (kabellose MICS) . Das Kondensatormikrofon ist wahrscheinlich das am weitesten verbreitete Mikrofon im Heimstudio  (meist ist ein eigener Abhörraum sinnvoll bzw. notwendig). Es können Details detailiert aufgenommen werden. Besonders geschätzt ist die Genauigkeit und Ehrlichkeit bei Aufnahmen von Stimmen und Gesang. Kondensatoren Mic's sind meist teuerer als Dynamische Mic's.

Bändchen-Mic:

Bändchen-Mic werden generell eher in den hochwertigen Tonstudios verwendet. Sie sind bei hohen Schalldruck sehr empfindlich und können leicht beschädigt werden. Bändchen-Mic reagieren ebenfalls sehr empfindlich auf Wind, Erschütterungen und sehr schnelle Bewegungen. Es arbeitet genau wie ein dynamisches Mikrofon mit Hilfe von Induktion. Besonders geeignet ist es für tiefer Frequenzen.

 6.1) Mikrophone Basic:

-Shure SM58

-Behringer C1
-M-Audio Nova 

-Audio Technica AT2020 (gutes Preis Leistung für Einstieg)

6.2) Mikrophone Advanced:
-Shure Beta 58

6.3) Mikrophone Expert:

-Shure SM 7B (dynamisches Mic)

-Rote NTK

-Rode Classic II


7.) Schalldämmung und Akustik

Es gibt viele Materialien, mit denen du deine Wände dämmen kannst. Das hat den Vorteil das Du Reflexionen reduzierst, die beim Abhören stören. Beachte, dass es einen grossen Unterschied gibt, ob man einen Raum für das Abhören oder das Aufnehmen von Musik optimiert!

Wenn du in deinem Raum störende Eigenschaften bemerkst, die den Klang zu stark beeinträchtigen, gibt es verschiedene Wege, um die Akustik deines Heimstudios genau so zu manipulieren, wie du sie brauchst. Falls es zum Beispiel aufgrund von harten Flächen oder Glasfenstern zuviele Reflexionen gibt, kannst du diese unter Verwendung von Vorhänge, dicke Stoffe oder Teppiche abschwächen. 

Am wichtigsten ist die Aufstellung der Lautsprecher. Mit dem Sweet Spot kannst das Stereobild deiner Aufnahmen am besten beurteilen. Es ist hilfreich wenn der Abhörraum symmetrisch aufgebaut ist. Wenn du noch zusätzliche Möbel wie ein Sofa im Zimmer hast, platzierst du das am besten gegenüber der Monitorlautsprecher. Die weichen und durchlässigen Materialen solcher Möbelstücke wird dabei helfen den Schall zu absorbieren.


Damit haben wir jetzt alles und können eigentlich beginnen nun den ersten Gehversuche in der Musikproduktion mit Logic zu unternehmen.

Wichtig ist immer: Es soll Spass machen - also viel Spass dabei!


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